Ein Ziel, das sie nie gesehen haben
Jeden Frühling fliehen Milliarden Bogong-Falter vor der Hitze im Südosten Australiens. Nachts fliegen sie bis zu 1.000 Kilometer zu wenigen kühlen Höhlen in den Australischen Alpen und halten dort Sommerruhe. Im Herbst kehren dieselben Tiere zurück, pflanzen sich fort und sterben.

Ein Himmel im Labor
Ein Team um Eric Warrant und David Dreyer von der Universität Lund band Falter in einem Flugsimulator fest. Über ihnen: ein projizierter Sternenhimmel ohne Mond, das Erdmagnetfeld war neutralisiert. Trotzdem flogen sie in ihre Zugrichtung – im Frühling nach Süden, im Herbst nach Norden.
Himmel gedreht, Falter gedreht
Drehten die Forschenden den Sternenhimmel um 180 Grad, flogen die Falter fast genau in die Gegenrichtung. Wurden die Sterne zufällig neu verteilt – bei gleicher Helligkeit –, verloren sie die Richtung. Die Falter lesen also das Muster am Himmel, nicht bloß, wo es hell ist.
Nervenzellen für die Milchstraße
Im Gehirn der Falter fanden die Forschenden Nervenzellen, die auf Drehungen des Nachthimmels reagieren. Sie feuern am stärksten, wenn das Tier nach Süden ausgerichtet ist. Einige reagierten auch auf künstliche Reize, die die Form der Milchstraße und ihre hellste Region um den Carinanebel nachahmten.
Was Mistkäfer nicht können
Unter Wolken fliegen die Falter trotzdem richtig – dann genügt offenbar das Erdmagnetfeld. Mistkäfer nutzen die Milchstraße zwar auch, aber nur, um geradeaus zu rollen. Eine bestimmte Himmelsrichtung nach den Sternen halten, soweit bekannt, sonst nur Menschen und einige nachts ziehende Singvögel.
