Deine Vermutung
Wie schwer müsste ein Skifahrer sein, damit sein Druck das Eis spürbar schmilzt?
Die Druck-Erklärung scheitert
Dass Druck den Schmelzpunkt von Eis senkt, sagte James Thomson Mitte des 19. Jahrhunderts voraus, sein Bruder Lord Kelvin bestätigte es. Aufs Gleiten übertrug es 1886 John Joly. Doch ideal fürs Eiskunstlaufen sind −5,5 °C, fürs Eishockey −9 °C. Nach der Druck-Theorie wäre Schlittschuhlaufen unter −4 °C unmöglich.
Reibungswärme?
Bowden und Hughes vermuteten stattdessen Reibungswärme: Die gleitende Kufe schmilzt selbst eine dünne Wasserschicht. Eine Studie von 2014 hält das unter üblichen Bedingungen für den wichtigsten Effekt. Doch Eis ist schon glatt, wenn man still daraufsteht – bevor etwas reiben kann.
Eis ist von selbst nass
Schon Michael Faraday vermutete 1842 eine hauchdünne, vorgeschmolzene Schicht auf der Eisoberfläche. Die Moleküle dort haben weniger Nachbarn, an die sie sich binden können, und sind beweglicher. Eine Messung von 1998 ergab rund 32 Nanometer bei −1 °C und 11 Nanometer bei −10 °C; Simulationen finden nur wenige Moleküllagen.
Der neueste Vorschlag
Ein Team der Universität des Saarlandes simulierte 2025 gleitendes Eis so kalt, dass nichts schmelzen kann. Wassermoleküle sind Dipole: Sie haften kurz aneinander und reißen wieder ab. Dabei zerfällt das Kristallgitter zu einer ungeordneten Schicht. Ein Konsens steht noch aus.
