Nº 057 · Geschichte · 50 Sek

Wie konnte eine Welle aus Melasse 21 Menschen töten?

Trümmerfeld im Bostoner North End nach der Melasseflut, links die Hochbahn, im Vordergrund Helfer und Fahrzeuge
Foto: BPL · Public domain · Original

Ein Tank am Hafen

Im Bostoner North End lagerte eine Brennerei Melasse, um daraus Alkohol zu machen – auch für Munition. Ihr Tank war 15 Meter hoch und 27 Meter breit. Am 15. Januar 1919 gegen 12:30 Uhr brach er. Eine bis zu 7,6 Meter hohe Welle riss Häuser von den Fundamenten. 21 Menschen starben, 150 wurden verletzt.

Deine Vermutung

Wie schnell war die Melassewelle nach Schätzungen?

Dann wurde sie zur Falle

Danach bremste die Zähigkeit. Melasse wird beim Abkühlen viel dicker: Von 10 auf 0 Grad verdreifacht sich ihre Viskosität. Die wärmere Ladung kühlte in der Januarluft rasch ab. Wer feststeckte, kam kaum frei; manche erstickten. Erst nach vier Tagen gaben die Retter die Suche auf.

Ein Tank voller Mängel

Der Tank war schlecht gebaut und kaum geprüft. Die Aufsicht hatte ein Schatzmeister ohne Ingenieurerfahrung; er verzichtete auf einen richtigen Wassertest und ließ den undichten Tank braun streichen. Eine Analyse von 2014 ergab: Der Stahl war nur halb so dick wie nötig und zu spröde.

Die Folgen

119 Anwohner klagten gemeinsam – eine der ersten Sammelklagen in Massachusetts. Der Mutterkonzern behauptete, Anarchisten hätten den Tank gesprengt. Nach drei Jahren Anhörungen sah ein vom Gericht eingesetzter Prüfer ihn verantwortlich; er zahlte 628.000 Dollar. Boston verlangte danach, dass Ingenieure ihre Berechnungen einreichen.