Nº 097 · Geschichte · 1 Min

Der Sommer, in dem London so stank, dass das Parlament handelte

Karikatur aus dem Punch: Eine düstere Gestalt am Fluss stellt einer Frau mit Krone drei kränkliche Kinder vor
Illustration: John Leech · Public domain · Original

Ein Fluss als Kloake

London leitete sein Abwasser in die Themse. Im Juni 1858 stiegen die Temperaturen im Schatten auf 34 bis 36 Grad, der Fluss führte wenig Wasser, und das Abwasser blieb an den Ufern liegen. Die Presse taufte es »The Great Stink«: der Große Gestank.

Deine Vermutung

Was tat man im Parlament gegen den Gestank?

Taschentuch vor der Nase

Benjamin Disraeli verließ einen Ausschussraum mit Akten in der einen Hand und dem Taschentuch vor der Nase. Am 15. Juli brachte er ein Gesetz ein, am 2. August war es beschlossen. London durfte 3 Millionen Pfund leihen, um die Themse zu säubern.

Bazalgettes Tunnel

318Mio. Ziegelwurden für das neue Kanalnetz verbaut

Der Ingenieur Joseph Bazalgette plante 1.800 Kilometer Straßenkanäle, die in 132 Kilometer Hauptkanäle münden. Mit leichtem Gefälle führen sie das Abwasser nach Osten, weg von der Stadt. Gebaut wurde von 1859 bis 1875 – und das System arbeitet bis heute.

Deep Dive

Cholera und die schlechte Luft

Im 19. Jahrhundert glaubten die meisten, ansteckende Krankheiten entstünden durch eingeatmete schlechte Luft, sogenannte Miasmen – etwa den Geruch von Abwasser. Auch die Cholera schrieb man ihnen zu. London erlebte schwere Ausbrüche: 1831 starben 6.536 Menschen, 1848/49 waren es 14.137 und 1853/54 noch einmal 10.738. Ausgerechnet die Angst vor Miasmen verschlimmerte die Lage: Damit die Kanäle nicht stanken, wurden sie regelmäßig durchgespült – und noch mehr Abwasser landete in der Themse.

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