Nº 066 · Natur · 50 Sek

Ein Schleimpilz ohne Gehirn entwarf ein Netz wie Tokios Bahn

Gelbes Geflecht des Schleimpilzes Physarum polycephalum auf einem morschen Ast
Foto: frankenstoen · CC BY 2.5 · Original

Haferflocken als Städte

Ein Team um Atsushi Tero und Toshiyuki Nakagaki von der Universität Hokkaido legte Haferflocken so aus wie Tokio und 36 Städte im Umland. Den Schleimpilz Physarum polycephalum setzten sie auf den Punkt für Tokio. Er ist eine einzige, mit bloßem Auge sichtbare Zelle mit vielen Zellkernen.

Erst überall, dann nur das Nötige

Zuerst breitete sich der Schleimpilz gleichmäßig aus. Dann verstärkte er die Schläuche zwischen den Flocken und ließ die übrigen verkümmern. Nach etwa einem Tag stand ein Netz aus Nährstoff-Schläuchen, das dem Bahnnetz um Tokio sehr ähnlich sah.

Deine Vermutung

Wie schnitt das Netz des Schleimpilzes im Vergleich zur echten Bahn ab?

Was »ähnlich« heißt

Verglichen wurden drei Dinge: die Gesamtlänge der Verbindungen, also die Kosten. Wie kurz die Wege zwischen zwei beliebigen Orten sind, also die Effizienz. Und ob das Netz zusammenhält, wenn eine Verbindung zufällig reißt – die Ausfallsicherheit.

Regeln statt Gehirn

Aus dem Verhalten machte das Team ein Rechenmodell: Schläuche mit viel Durchfluss werden dicker, überflüssige verschwinden. Solche Regeln könnten helfen, Netze ohne zentrale Steuerung zu bauen, etwa Funknetze aus Sensoren. 2010 gab es dafür den Ig-Nobelpreis für Verkehrsplanung.