Nº 085 · Geschichte · 55 Sek

1518 tanzte Straßburg wochenlang – und keiner weiß, warum

Kupferstich: Männer stützen Frauen, die mit verdrehten Körpern tanzen; im Hintergrund wird jemand über eine Brücke geführt
Illustration: Hendrik Hondius, Pieter Bruegel · Public domain · Original

Es begann mit Frau Troffea

Am 14. Juli 1518 fing Frau Troffea vor ihrem Haus in Straßburg an zu tanzen, ohne Musik. Nach wenigen Tagen tanzten über 30 Menschen mit. Im August waren es je nach Quelle zwischen 50 und 400.

Deine Vermutung

Was tat der Stadtrat, als immer mehr Menschen tanzten?

Dann kam das Verbot

Der Plan ging nach hinten los. Der Rat ließ die Bühnen abreißen und verbot bis September fast alle Musik und jeden Tanz. Die schlimmsten Fälle kamen auf Wagen zum Schrein des heiligen Vitus bei Saverne – mit kleinen Kreuzen in den Händen und roten Schuhen an den Füßen.

Warum nur?

Sicher ist nur, dass getanzt wurde. Eine Theorie: Mutterkorn, ein Getreidepilz, dessen Gift mit LSD verwandt ist. Doch Vergiftete hätten kaum tagelang tanzen können, wendet der Historiker John Waller ein. Er vermutet eine stressbedingte Massenpsychose – in einer Gegend voller Hunger, Krankheit und Aberglauben.